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Ein Beispiel für eine gelungene Präsentation 01/29/2012
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_Wer Seminare oder Reden hält, hört Vorträge von Anderen oft mit ganz anderen Ohren. Kürzlich habe ich ein Lehrbeispiel an guter und überzeugender Präsentationstechnik erlebt. Der amerikanische Präsident Barack Obama zeigte es in seiner "State of the union"-Rede vor dem Kongress. Obama gelingt es während der einstündigen Rede mehrmals, mit rhetorischem Geschick alle Kongressabgeordneten zu Standing Ovations zu bewegen. Er baut dem politischen Gegner Brücken und erzeugt ein Wir-Gefühl. Mit Unterstützung von ganz einfachen und auf Anhieb einleuchtenden Charts und mit Einzelbeispielen von Personen spricht er Kopf und Herz, Verstand und Emotion gleichermaßen an. Er spricht langsam und deutlich. Er wird nicht polemisch und zieht den politischen Gegner nicht in den Schmutz oder gibt ihn der Lächerlichkeit preis. Er versucht mit Argumenten zu überzeugen. Er spricht offen und ehrlich (so klingt es) und persönlich überzeugend. Wer es selber ansehen will, findet bei You Tube die gesamte Rede.  >>




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Müde sein dürfen statt Burn out 09/28/2011
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Das Thema Erschöpfung und Burn out ist heute in aller Munde. Es scheint im Moment die Krankheit der  Zivilisation zu sein. Auf allen Lebensbühnen ob Arbeit, Partnerschaft und Sinnorientierung, Menschen signalisieren Erschöpfung. Anselm Grün hat sich dem Thema in seiner bekannt tiefgehenden Art angenommen. „Ich bin müde“ überschreibt er sein Buch. 
 
Müdigkeit gibt es natürlich schon, solange es Menschen gibt. Grün betrachtet zu Beginn entsprechende Szenen aus der Bibel. Es gab schon immer das rechtschaffen müde Sein nach getanem Werk. Genauso existierte die Mattigkeit, die aus der Nichterfüllung von Vorhaben, von Missachtung von Menschen und der mangelnden Verbindung mit einem Sinn im Leben herrührt. Viel Zappelei ohne oft wirkliches Vorankommen charakterisiert mittlerweile viele Menschen. Das Thema eskaliert und dahinter steht ein mentales Modell, das von fast der ganzen Gesellschaft geteilt wird und das eine Begünstigung jeglicher Betriebsamkeit enthält. Alle scheinen nach dem Motto zu verfahren „Wer rastet, der rostet“. Solche Sprüche verkörpern die Haltung einer Zeit, in der eigentlich der größte Wohlstand aller bisherigen Zeiten vorhanden ist. Es liegt also nicht am Materiellen, sondern an der Haltung der Menschen.   

Die Lösung sieht Pater Anselm Grün in der Akzeptanz des eigenen Menschseins, seiner Begrenzungen aber vor allem im Kontakt mit der inneren Quelle. Es gilt, den eigenen Lebensstrom zu finden. Diese Ebene ist überpersönlich. Im seinem christlichen Glauben sieht Grün darin Gott. Die Anbindung an den Lebensstrom ist unser kleiner Ausschnitt vom großen Ablauf des Lebens. Da gibt es eine Lebendigkeit, die sprudelt und Energie gibt. Und es braucht ein deutliches zu sich selbst bekennen. Auch wenn es von der Gesellschaft oder auch von Erziehungs- und Elternseite bei vielen torpediert und verunsichert wurde, weil diese selbst kein Vertrauen mehr hatten, bleibt es doch das Lebensziel.

Grün widmet seine Aufmerksamkeit auch der Muße. Arbeit hieß bei den Römern neg-otium, Nicht-Muße. Zwar war deren Gesellschaft auf der Sklavenarbeit aufgebaut, aber die Vorstellung, dass Arbeit auf der Fähigkeit zur Muße beruht, ist vielen heute fremd. Er lege sich nach getaner Tagesarbeit etwa um 17.00 Uhr immer eine Viertelstunde hin und lasse Schwere und Müdigkeit zu, lässt Pater Anselm einen Blick in sein eigenes Leben zu. 

An vielen Stellen zieht der Autor kurze literarische Textbeiträge beispielsweise von Peter Handke heran, um die Gedanken zu verdeutlichen. Insgesamt gibt Anselm Grüns Buch eine gute Führung durch die Aspekte des Themas. Wie in einer Anleitung zur Meditation kann man in die Gefühlszustände der Schwere mitgehen, aber auch wieder hinaus. Das ist das, was hilft. Kritisch ist allenfalls anzumerken, dass die wirtschaftliche Determinante, die ebenfalls die Hektik und Auslaugung der Menschen befeuert, etwas kurz kommt. Der Schwerpunkt liegt auf dem persönlichen Kontakt zum Lebensstrom.


Grün, A. (2011): Ich bin müde. Neue Lust am Leben finden. Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag. 

Mohr, G. (2008): Der Lebensstrom - , in: Coaching und Selbstcoaching mit Transaktionsanalyse, Bergisch-Gladbach: Edition
Humanistische Psychologie.   

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Bankalltag 09/21/2011
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Arthur Hoffman ist Kassierer in einer Bank. Sein Leben ist von klaren Strukturen, täglichen Wiederholungen und einem absolut voraussagbaren Tagesablauf geprägt. Doch bald fängt es in ihm an zu rumoren. Er stellt fest, dass ihm bestimmte gefühlsmäßige Reaktionen im Leben fehlen. Das Lachen ist ihm abhanden gekommen. Er beginnt bei sich danach zu forschen. Er erinnert sich nicht, wann er zuletzt gelacht hat. Gibt es dieses Verhalten bei ihm nicht, oder ist es nur verloren? Das Rumoren wird immer stärker. Arthur wird die Wirkung der Bankfiliale auf seinen Gemütszustand zunehmens bewußt.

Das Innenleben einer Bank schildert der Autor dieser Geschichte, Alexander Ludwig, in feinster Schärfe, so dass man die bedrückende Atmosphäre fast spürt. Arthur begibt sich dann vorsichtig auf Abwege. Ein Geschäft für Scherzartikel gerät zu einer Kombination aus Horror- und Erleuchtungserlebnis. Danach ist die Welt für ihn anders. Am folgenden Tag betritt er die Bank mit einem kleinen sichtbaren Zeichen des Protestes gegen die Eintönigkeit: Einer Clownsnase. In der Bank provoziert er damit einen Skandal. Das gleichermaßen kleinkarierte wie rigide Umfeld bringt er zur Verzweiflung. Er bekommt in seinem Job massive Schwierigkeiten, trifft aber auf Unterstützer und erhält dann in eine neue Orientierung. Die Menschen beginnen sich bald mit ihm zu identifizieren. Dieses Kippen hin zu hoher Aufmerksamkeit bereitet Arthur die nächsten Probleme. Dafür ist er auch nicht gemacht. 
 
Alexander Ludwig hat ein sprachlich feines und sorgfältig geschriebenes Buch verfasst. Mir, der ich lange in Banken gearbeitet habe, blieb beim Lesen das Lachen manchmal im Halse stecken, weil es so deutlich bestimmte Züge herausarbeitet und sowohl den Humor aber auch das tiefere Nachdenken bedient. Dass der  langweilige, zwanghafte Protagonist in einer gesellschaftlichen Geschichte von der beruflichen Seite als Bank- oder Sparkassenangestellter dargestellt wird, ist kein Zufall. Aber Ludwig schafft es, das Milieu, die aktuelle Gesellschaftshektik und den Bedarf hervorragend auszuleuchten. Und es trifft nicht nur auf den Menschen in der kleinen Filiale zu.

Die angeblich so hoch qualifizierten und in ihrer Entlohnung unerreichte Investmentbanker stehen dem in ihrer Unbezogenheit auf das Leben in seiner Gänze in Nichts nach. Das Regiment der Unbezogenheit auf das Menschliche ist einer der Gründe für die aktuelle Situation der Wirtschaft. Die Finanzindustrie hat mit ihrer absurden Welt die mentale Führerschaft errungen. Auch darüber lässt das Buch nachdenken. Arthur ist ein zwiespältiges Modell, einerseits ein Relikt der Vorhektikzeit, andererseits der perfekt konditionierte reduzierte Mensch, dem dann der  Entwurf der Selbstbefreiung plötzlich widerfährt.  

Ludwig, Alexander: Die seltsame Wandlung des Arthur Hoffmann, Roßdorf: Verlag Gebrüder Kornmayer, 2010.



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Durchatmen 09/21/2011
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Christopher Jamison, ein englischer Benediktinermönch, hat ein gleichermaßen interessantes wie entspannendes Buch geschrieben. Es legt Menschen nahe, sich mit der Lebenshaltung und der Lebensweise in Klöstern zu befassen, weil die zu Entschleunigung des Lebens beitragen kann. Verschiedene Stränge durchziehen das Buch, einerseits eine präzise Antworthaltung zu den Aufgeregtheiten des heutigen Lebens, andererseits wesentliche Aspekte klösterlichen Lebens wie Schweigen, Kontemplation, Gehorsam, Demut, Gemeinschaft, Spiritualität und Hoffnung. Als Beispiel für die Reaktion der Normalmenschen, die nicht Mönche sind, auf diese Themen führt er eine Gruppe von Männern heran, die eine Zeitlang im Kloster Jamisons lebte und deren Erfahrungen auch in der BBC-Fernsehserie „The Monastrey“  verfilmt wurden. 
 
Seine grundlegende Theorie für die heutige Lebenshektik sieht der Autor in der Veränderung der Gesellschaft dahin, dass die neoliberale Wende die Menschen in allem zu Kunden von irgendetwas deklariert habe. Menschen sind nicht im Vordergrund,  sondern Konsumenten. Gut ausgebildete
Leute hätten früher in höheren Positionen ein beschauliches Leben führen können. Arbeiter hätten sich auf einen lebenslangen Job in einer stabilen Industrie verlassen können. Heute sei alles in einen unendlichen Warenstrom, der mit unendlicher Arbeit erreicht werden soll, eingeordnet. Das Glück ist die Ansammlung vieler maximaler Konsumereignisse. Diese Lebenskultur gelte es in Frage zu stellen. 
 
Der kritischen Gesellschaftsbeschreibung folgen als Gegenpol die Regeln des klösterlichen Lebens, die der Ordensgründer Benedikt vor 1500 Jahren aufgestellt hat. „Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf gute Gespräche verzichten“  ist schon eine für den heutigen Mainstream provozierende Kostprobe für eine solche Regel. Aber nur so könne man den „Lärm im Kopf“ besiegen. Kontemplation, also die läuternde Betrachtung der eigenen Innenwelt, sieht er als katholischer Christ natürlich im Gebet zu Gott. „Wir sollen wissen, dass wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen, sondern wenn wir in Lauterkeit des Herzens und mit den Tränen der Reue beten. Deshalb sei das Gebet kurz und lauter“. In der Kontemplation geht es also um das
Fühlen und eine bescheidene Haltung dem Großen des Lebens gegenüber. Der Regelgeber Benedikt hat nach seiner Schilderung keine genauen Vorgaben für Meditation gegeben. Als klösterliche Tradition zur Förderung der Meditation sieht er die Verwendung eines wiederholten Satzes und das langsame Lesen heiliger Texte an. Dass Benedikt das Lesen als wichtigste Art der Meditation und kreativer Stille einschätzt, ist bemerkenswert. Die Lectio divina (göttliches Lesen) ist ein Lesen wichtiger Texte, das sich Zeit lässt und diese in mehreren Schritten verarbeitet.

Zum Gehorsam propagiert Benedikt „Im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen.“ Gehorsam ist heute ein sperriger  Begriff, aber wenn man sich betrachtet wie viel wir unbewusst durch äußere Reize konditioniert und stimuliert sind, bleibt die Selbstdisziplin in Orientierung ein wichtiger Pfeiler der Selbststeuerung. Ähnliches gilt in der Zeit der narzisstischen Herausstellungsforen für den nächsten Begriff, die Demut: „Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.“

Gemeinschaft als Thema ist für den westlichen, individualisierten Menschen, insbesondere den angelsächsisch geprägten - wie dem Briten Jamison - , heute jenseits des Mainstreams. „Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge, denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen. Das Auftreten der Reichen verschafft sich ja von selbst Beachtung.“  Hier fehlt dem katholischen Christen etwas das „Fassen an die eigene Nase der katholischen Kirche“ , die sich in vielem Prunk noch gebärdet wie ein feudales Fürstensystem. Diese alte Kontroverse zwischen den klösterlichen und den Machtpotentaten der Kirche ist seit Jahrhunderten ein heißes Eisen. Er greift er nicht auf.

Zur Spiritualität zitiert Jamison die Benediktsche Regel “Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“. Jamison diskutiert den Vorteil des Christentums als geleichmaßen nach innen auf Kontemplation wie nach außen auf den Mitmenschen gerichtete Religion. In anderen Religionen sieht der durchaus zur Linken tendierende Autor Marx´ Kritik der Religion als Opium fürs Volk eher verwirklicht als im Christentum. Am Ende der thematischen Kapitel steht die Hoffnung, die gerade beim Abschied und am Ende des Lebens gebraucht wird. Den eigentlichen Schluss des Buches bildet ein Beispiel der Lectio divina in Form des Gleichnisses vom verlorenen Sohn.  

Insgesamt ein gut zu lesendes Buch, das tief geprüfte, durchaus alte Weisheiten in interessanter Weise auf unsere Zeit bezieht. Es macht nicht den einzelnen mit erhobenem Zeigefinger verantwortlich, sondern zeigt die Systemzwänge auf. Schön ist, dass  er einen unverkrampften Blick über den Tellerrand hinaus hat. So berichtet er auch Beispiele aus einem benachbarten buddhistischen Kloster in Südengland. Dies hätte man dort vielleicht gar nicht vermutet, Jamison zeigt aber deutlich seinen Respekt auch vor der anderen Religion. In Sachen der Integration meditativen und kontemplativen Lebens ist der Unterschied ohnehin gering. Gott hat kein Parteibuch
einer Religion.

Jamison, Christopher: Durchatmen, Münsterschwarzach:  Vier-Türme-Verlag  2011


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Amateure am Werk 09/15/2011
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Fast täglich stellt die Finanz- und Wirtschaftskrise neue Aufgaben. Politiker, die wie in der deutschen Regierung mit Frau Merkel (Physikerin) und Herrn Rösler (Arzt) noch nicht einmal wirtschaftlich vorgebildet sind, wirken zurzeit wie sehr teure Praktikanten und zwar für alle sehr teuer. Selbst Merkel, die superschnelles Lernen beherrscht, kommt da nicht nach.
Bei allem Respekt vor Helmut Schmidt als letztem Wirtschaftler, der im Kanzleramt saß, er wirkt oft wie ein alter Studiosus, zwar deutlich und vehement, aber nicht mehr wirklich in der Zeit. Seine Impulse bewegen sich auf einem Abstraktionsgrad, der den heutigen konkreten Herausforderungen nicht gerecht wird. 
 
Aber auch die gerne auftretenden so genannten Experten der Wirtschaftswissenschaft geben ein wenig Vertrauen erweckendes Bild ab. Die, die sie sich immer noch mit der neoliberalen Ideologie des „der Markt regelt alles zum Besten“ verbündet haben, geben sofort ihre Fachexpertise auf. Sie haben von heute aus betrachtet in den letzten Jahren wenig gelernt und verlieren die Auswirkungen auf die Menschen aus den Augen. Andere wirken oft wie Lobbyvertreter der Investmentbanker. 

Denn worum geht’s? 
Die aktuelle krisenhafte wirtschaftliche Erscheinung ist durch Fehlentwicklungen in der Finanzindustrie entstanden. Daran gibt es bei  den Wirtschaftsexperten unterschiedlichster Couleur keinen Zweifel. Es liegt nicht an Schulden einzelner Staaten. Die gab es vorher auch schon. Und die größten Schuldner sind nicht die in der Größe eines normalen Großunternehmers agierenden Länder wie Griechenland (2 Prozent der EU-Wirtschaftsleitung, etwas weniger als Volkswagen), sondern USA, Japan und UK. Das nimmt man aber nicht in den Fokus. Staatsschulden sind ebenfalls ein Symptom unüberlegten Handelns. 
Wesentlich sind dabei Finanzprodukte verantwortlich, die es eigentlich nicht geben dürfte, weil man ihre Tragweite nicht prüft. Die nach 9/11 aus politischen Gründen in Amerika kreierten Kredite ohne Sicherheiten sind das einfache Beispiel. Zigfache Volumina von virtuellen Finanzprodukten,  die die Märkte beruhigen sollen, indem sie etwa Zukunftsaussichten vorwegnehmen und „einpreisen“, haben eine Eigendynamik und Beeinflussungswelle entwickelt, die ihre angestrebten Effekte zu Nichte machen und zusätzlichen Schaden anrichten, sind das ganze Ausmaß.
Die genauen Erfahrungen mit den einzelnen Produkten sind tatsächlich neu. Banken, Hedgefonds und Investmentgesellschaften und haben völlige Freiheit täglich neue Produkte zu kreieren, die im Sinne ihrer Anteilseigner Gewinne versprechen. Über systemische Risiken machen sich nur ein paar Fachleute Gedanken. Dahinter steckt ein immenses Volumen von Vermögen, das reiche Leute und Länder in der Welt besitzen und das Anlagemöglichkeiten sucht.
Es hat fast den Anschein, dass sich das erst selbst vernichten müsste, ehe Ruhe einkehrt. Aber die Verteilungswirkungen sind
erfahrungsgemäß dabei doch so, dass es die Kleinen ausbaden müssen. Denn das Einzelrisiko trägt der Kunde und der Steuerzahler. Der Kunde muss nur einigermaßen aufgeklärt werden. Da aber die Produkte und erst recht die Zusammenhänge nicht beherrscht werden, wird einfach so weiter gemacht wie bisher. 

Was braucht es?
"Dämme bauen, anstatt zu warten, dass die Flut Vernuft annimmt." Es braucht einen radikalen Abschied von der freien Konstruktion von Finanzprodukten, die durch ideologisch begeisterte Menschen ab den 1990er Jahren auf fatale Weise verbreitet wurde. Um die Prozesse der Produktkonstruktion zu überwachen und einschätzen zu können, braucht es unabhängige Fachexpertise von öffentlichen Institutionen. Dies beginnt mit der Regierung und geht bis zum Mitarbeiter in den Regulierungsbehörden. Wenn die Finanzgeschäfte in etwa so behandelt würden wie andere Branchen, etwa
Lebensmittel - oder Pharmaindustrie, sogar Autoindustrie wäre einiges gewonnen.
Finanzdienstleistungsprodukte können so toxisch für die Gesellschaft sein, wie es ein kontaminiertes Lebensmittel oder ein schlechtes Medikament für Menschen ist. Es geht also um die Überwachung der Produkte und um klare Grenzen hierbei. Das wird Arbeitsplätze in der Finanzindustrie kosten und zwar die, die durch Umverteilung von Vermögen der Privatleute auf die Banken entstehen. Denn Kundenorientierung ist in der Finanzdienstleistungsindustrie oft eine reine Phrase. „Die Bank verdient  immer“, hat mir einmal ein Bankvorstand gesagt, „ob es raufgeht oder runter. Wir sind mit unsere Provisionen dabei.“ Hier liegt auch der bisherige Anreiz.
Es werden virtuelle, kurzfristige Geschäftsmöglichkeiten geschaffen, um das vorhandene System zu erhalten. Zudem beruhen die meisten der neuen Produkte darauf, dass es immer Verlierer braucht. Einer gewinnt etwas, dass ein anderer verliert. Darauf sind viele Finanzprodukte aufgebaut. Sie enthalten eine Wirtschaftsphilosophie des Glücksspiels oder des Krieges. Das sollte klar sein. Will man das? Der schöne Spruch „Geld arbeitet“ hieße ja dann „Geld spielt“oder
„Geld führt Krieg“. Die Leute, die davon leben und dies inhaliert haben,  dann als Experten für die Politik nehmen
und sogar Gesetze mit formulieren wie es schon passiert ist 
zu lassen - wie es schon passiert ist, war nicht wirklich
klug.



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Ein Freund Hessens – der Dalai Lama 08/23/2011
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Der Dalai Lama ist wieder in Hessen. Hessen scheint er zu mögen. Ich selbst konnte ihn schon zweimal hier persönlich treffen. Als ich einmal in Dharamsala in Indien, seinem Exilsitz, vorbeikam, war er nicht anzutreffen. Er war unterwegs mit Reisen und Reden. Das war allerdings nicht weiter schlimm, da es nicht auf die Person sondern auf den Geist ankommt.

Aber was hat der Dalai Lama für Freunde? Koch, Bouffier, Bush. Die Konservativen nützen ihn und er versucht, jede Unterstützung für seine Sache zu nützen. Deutschland darf nicht, dann eben Hessen. Gut, wenigstens Obama hat ihn kürzlich ebenfalls empfangen.  

Die politische Linke fehlt in den nahen Kontakten. Warum eigentlich? Kritisch zur Gesellschaft stehen bedeutet empört sein und nicht so leicht in einfache Wahrheiten einzustimmen. Es ist ein konsequenter Zug emanzipatorischer Bewegungen, sich nicht mit den einfachen, Status Quo erhaltenden, oberflächlichen Aussagen zufrieden zu geben.  

In dieser Hinsicht wird der Dalai Lama oft falsch eingeschätzt. Ich hatte einmal in einer Veranstaltung mit dem Dalai Lama eine interessante Erfahrung. Viele Leute waren dorthin gekommen und erwarteten - entschuldigen Sie die Formulierung - religiöses Brimborium, aber keine komplizierten Weisheiten. Der Dalai Lama referierte, diskutierte und erforschte allerdings zur Verblüffung vieler einen äußerst schwierigen Text aus der buddhistischen Philosophie. Unter den Liebhabern des Weihevollen entstand schon einiger Unmut und unterschwelliges Grummeln. Zum Denken war man doch nicht gekommen. Aber D.L. war superpräzise, wissenschaftlich und gleichzeitig offen für Kritik.  

Einige Fragen stellen sich doch: Was hat der Dalai Lama erreicht? Oder hat der Dalai Lama etwas erreicht für seine Leute? Mit der letzten Frage beginnend, eher nein, das ist jammerschade. Es hat vielleicht für die Chinesen weniger mit Tibet zu tun. Aber damit, dass China das Land ist, in dem die meisten Buddhisten leben. 
Dennoch, der Dalai Lama hat über die 60 Jahre, die er mittlerweile wirkt, schon einiges in die Welt drum herum gebracht. Solche Beispiele des friedlichen Widerstands sind eher rar. Überall und vielleicht ist das bisher die Tragik auch in unserem Denken, wird Widerstand erst wirklich wahr- und ernst genommen, wenn er Gewalt enthält. Wenn 20.000 friedlich demonstrieren, kräht kein Hahn danach, wenn einer dabei schwer verletzt wird, ist Relevanz da. Das kann doch nicht sein. 

Heute wird selbst das Christentum vom Buddhismus in Richtung der Wertschätzung wirklich spiritueller Perspektiven stimuliert, wie der populäre Benediktiner Anselm Grün einräumt. Der größte tibetische buddhistische Weise Padhmasambhava soll im 8. Jahrhundert gesagt haben: Wenn die großen Eisenvögel fliegen, wird der Buddhismus auch den Westen erreichen 
. Diese Begegnung der Weisheitslehren aus unterschiedlichen Ecken der Welt ist heute ein Teil der weltweiten Begegnung, die zu oft auf die wirtschaftliche Globalisierung reduziert wird. 

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Der Crash weitet sich aus 08/09/2011
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Vorige Woche prognostizierte ich: Der Crash ist da. Jetzt sind die Börsen 15 % niedriger als letzte Woche.

Aber immer noch kurz vor der Tagesschau die Börse, warum eigentlich nicht der Sport, die Bundesliga oder die zweite /archaische Fusball-Liga, nicht diese Casino-Nachrichten. Immer noch haben die Alt-98er offensichtlich die Programmgewalt, die in die Aktienmärkte hineinsozialisiert wurden und „das Geld arbeiten lassen“. Haben Sie schon einmal Geld arbeiten sehen? So ein Blödsinn.

Der deutsche Leitindex fällt zunächst über 7 %, dann schwenkt er wieder  auf Vortagsniveau ein. 

In anderen Ländern ist man schon weiter. Tottenham versinkt in Schutt und Asche. Der britische Ministerpräsident
unterbricht seinen Italienurlaub, welch eine Einschränkung seiner Lebensqualität. Er sieht in den Jugendlichen, die dort die  Läden plündern, simple Kriminelle. 
 
Irgendwie stellt das bestehende Gesellschafts- und Wirtschaftssystem nur noch begrenzte Anreize dar. 
 
Die Welt steht Kopf.

Die Politiker retten immer weiter. Frau Merkel, die sagenhaft schnell lernfähige  Physikerin arbeitet sich in einen Thema nach dem anderen ein. Dann spricht sie  mit Sarkozy, der damit kokettiert, dass er Merkel wohl häufiger sehe, als deren
Ehremann. Aber so richtig überzeugend ist das nicht:   

Das Chaos weitet sich aus.  

Und unser Hofnungsträger aus Amerika, Obama. Er ist still geworden. Eine merkwürdige Gruppe von Fundamentalisten, genannt
Tea-Party hat ihn zur Strecke gebracht. Die Tea-Party besteht aus Leuten, die aus der unbeschwerten Generation stammen. Sie können radikal sein, fundamentalistisch, dürfen ewig jugendliche Ideale haben. Einfühlen in andere oder das Ganze haben sie nie gelernt. So entsteht der Wahnsinn. Die Gesellschaft fällt zurück.

   
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Der Crash ist da 08/04/2011
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In einer Woche ist der DAX von 7300 auf 6400 gefallen. Was passiert da?
Die, die in Unternehmen investieren und deren Anteile kaufen, um an der in
Zukunft erreichten Produktivität teilzunehmen oder sie zu unterstützen, haben
das Vertrauen verloren.
Die automatischen Computerprogramme tun ihr Übriges. Fallen Werte unter
eine bestimmte Grenze, wird verkauft. Da ist niemand mehr, der persönlich
Verantwortung übernimmt. 
Italien liegt mit seinen langfristigen Zinsen bei über 6 %. Das wird zu
einer Erhöhung der Verschuldung führen, die irgendwann mit dem Offenbarungseid
endet. Es geht gar nicht anders. 

Wirtschaft ist eher einfach

Nun ist es soweit. Die wievielte Stufe ist das jetzt nach Lehman-Finanzkrise, Absatzeinbruch in der Realwirtschaft und Irland.Griechenland-Portugal-Staatenkrise. Jetzt kommen die Großen dran. Italien wird es erwischen, die USA springt noch mal gerade so dem Teufel von der Schippe, dank Obamas Verzicht auf alles, was er vorher wollte.
Wie soll Amerika in zehn Jahren 2 Billionen Dollar, das sind bei linearer Verteilung 200 Mrd. Dollar pro Jahr im öffentlichen Haushalt sparen? Die Fundamentalisten bei den Republikanern hätten es drauf ankommen lassen. Um die Macht zu kriegen, hätten sie die Weltwirtschaft vor die Hunde
gehen lassen.
Lassen Sie mich kurz erinnern. Was waren die alten Sowjets wie Breshnew und Kossigyn für zuverlässige Vertragspartner und Welterhalter. Wenn wir damals auf der anderen Seite von der psychologischen Struktur der amerikanischen Tea-Party-Mitglieder gehabt hätten, gäbe es uns nicht mehr. SS20 und Pershing hätten damals Europa platt gemacht.
Also was ist los mit den Alt-98ern, die damals mit „Lass das Geld arbeiten“ sozialisiert worden? Die Generation der jungen Leute, die anstatt „anständige“ technische Berufe zu ergreifen, wie es lange in den Industrieländern und den heutigen Schwellenländern üblich war, vom Ruf der Finanzindustrie oder der Medien gefolgt sind, um ohne anfassen zu müssen, doch genügend Geld zu verdienen. 
Die G20-Führer sollten ihren Urlaub unterbrechen und zusammen kommen.
Es ist höchste Eisenbahn
.

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Das Ende der Schlichtung 07/30/2011
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Heute ist die Schlichtung von Stuttgart 21 zu Ende gegangen. Aus diesem Anlass möchte ich noch einmal auf dieses interessante Experiment zurückkommen, das ich bereits im November 2010 hier im Blog beleuchtet habe.
Interessant ist diese Veranstaltung, weil psychologische Gesichtspunkte der Mediation und Konfliktbewältigung mit der politischen Welt zusammentreffen. Die Veranstaltung wirkte bald sehr merkwürdig, zuweilen skurril. Der vereinbarte Stresstest schien zugunsten der S21-Befürworter ausgegangen zu sein. Die Gegner sahen aber diverse Mängel im Zustandekommen des Stresstests. So sei zum Beispiel die begutachtende Firma bereits mit Aufträgen der Bahn bedacht worden. 

Die ganze Sache wirkt zunehmend verfahren. Befürworter und Gegner stehen sich weiterhin ohne Kompromissmöglichkeit gegenüber. Alles schien wieder wie am Anfang. Man lobt weiterhin das Diskutieren. Die Gegner zeigen sich aber nicht überzeugt. Die Befürworter hingegen sagen, es sei doch jetzt alles klar. 
Am letzten Schlichtungstag  macht Heiner Geißler selbst einen inhaltlichen Vorschlag zusammen mit der Schweizer Firma, die den  Stresstest mit dem positiven Ergebnis für S21 durchgeführt hatte. Der  Kompromissvorschlag beinhaltete den Durchgangsbahnhof für Fernverkehr unter der Erde (halb S21) und den Regionalbahnhof am alten Platz (halb K21).

Geißler zieht alle Register. Er lobt die begutachtende Firma, er lobt die Räumlichkeiten, er lobt den Hausherrn, er lobt die Experten der Bahn. Er hebt das neu-demokratische Vorgehen dieser Schlichtung hervor. Alle Fakten kämen so auf den Tisch. Leider – und hier waren sich alle wieder einig –  sei das deutsche Baurecht völlig antiquiert und unzulässig. Und schon fühlen sich selbst die Konservativen wieder im Neuen und an der Speerspitze der Entwicklung sehr wichtig.  
In der Sache ist man allerdings keinen Schritt weiter. Der sachliche Weg mit Fakten ist sicher ein Fortschritt gegenüber gewaltsamen Auseinandersetzungen, wie sie sich vor der Schlichtung anbahnten. Aber ein wirklicher Kompromiss wurde nicht erzielt. Und befriedet ist die Situation nicht.

Zusätzlich werden laufend die Rollen vereinfacht. Dass Geißler, als Schlichter eigentlich auf die Moderatorrolle beschränkt - einen inhaltlichen Vorschlag macht, war nur eins. Auch die anderen Beteiligten vernebelten immer wieder ihre Rollen. Natürlich ist die Bahn nicht nur ein Dienstleister, der Aufträge erfüllt, sondern eine AG, die Gewinne erwirtschaften will. Und der Verkauf der Immobilien in Stuttgarts Mitte gibt da Einiges her. Natürlich ist die Bedeutung von Mineralquellen unter einer Großstadt nicht für jeden in der Republik nachvollziehbar. Natürlich ist zu hinterfragen, ob
Menschen 200 km vom Geschehen in einer Abstimmung über die Belastungen der  Bürger direkt am 10-jährigen Bauplatz entscheiden sollten. 
 
Dass es nicht sehr gut lief, wurde deutlich, als der Pfarrer auf der Befürworterseite sich in Anrufungen seines obersten Chefs verlor, dessen Segen sicher von Nöten gewesen wäre. Aber ob der das deutsche Baurecht beherrscht, sei dahingestellt.
Der Wahlkampf  bei einer Volksabstimmung werde fürchterlich, so Geißler. Wieso eigentlich?  Einzig wäre dann seine Schlichtung im Nachhinein nicht wirklich entscheidend gewesen. War der Kompromissvorschlag mit Durchgangsverkehr unter die Erde und
Regionalverkehr oben lassen nur ein Finte? 

Dennoch erscheint Geißlers Variante vielleicht gar nicht so abwegig, weil sie so einfach klingt, ein bisschen für die, ein bisschen für die. Aber dann entstehen nicht so viele lukrative Immobilien, die verkauft werden können, war den diesbezüglichen Lobbyvertretern gleich klar. Das sei schon lange verworfen, erwähnten sie beiläufig. Die Grünen und die Gegner wollen es prüfen, alle anderen waren zu keiner Reaktion in der Lage. „Wir wollen dazu im Moment nicht Stellung nehmen“.
Der deutsche Verkehrsminister positionierte sich einen Tag später schon explizit dagegen. Das sei schon in  früherer Prüfung verworfen worden. Basta-Politik. Ob das Bestand hat?  

Ich halte Geißlers Variante für nicht so ausgeschlossen. Mal sehen, ob es nicht wirklich so kommt. Wie im Lied von der Schwäb´sche Eisenbahne: Stugat, Ulm un Biberach, Meckebeure, Durlesbach. Das soll jetzt unter die Erde?
Geißlers selbstdarstellerische Art ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Aber wenn sie nützen würde, nichts dagegen. Das Schlusswort war, dass die Politik jetzt das Wort habe und entscheiden müsse. Das war nichts wirklich Neues. Außer dass man Zeit verbracht hat, was bleibt? Vielleicht geht es auch um Zeitverzug. Erreicht wurde auf der Sachebene nichts Überzeugendes.

Weiterführende Literatur: Mohr, G.: Wirtschaftskrise und neue Orientierung, Von Angst und Gier zu Substanz und Anerkennung, Berlin 2009.
 
 
 


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Das Unternehmen als Lebensabschnittsgefährte statt als Sportveranstalter 07/21/2011
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Es mangelt in Unternehmen an Orientierung. Ambitionierte Wachstumszahlen können dies nicht ersetzen. Den Menschen fehlt der mittel- und langfristige Zusammenhang. Wofür sind eine Anstrengung und ein momentanes Resultat eigentlich langfristig gut? Welchen Wert hat es? Die Verkürzung der Sinnhaftigkeit auf ein bloßes Zahlenerreichen wie auf ein quasi kurzfristiges Sportresultat, das schon morgen keine Bedeutung mehr hat, als dass es ein kurzfristiger Beweis von Leistungsfähigkeit der Vergangenheit war, ist zuwenig. Unternehmens- und Arbeitsleben muss wieder mehr Sinn stiften.
Auch das kurzfristige sich selbst zeigen Können, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern ermöglichen, ist keine langfristige Sinnschaffung. Der spektakuläre Powerpointauftritt ist schnell wieder vergessen. Ein Unternehmen muss einem Mitglied gegenüber ein Lebensabschnittsgefährte sein. Dies bedeutet, es muss für den Mitarbeiter ein Beziehungsangebot wie in einer Liebes- oder Freundschaftsbeziehung sein. Ich wähle bewusst diese Beziehungsformen und nicht den Terminus Geschäftsbeziehung, damit das Rationale in den Hintergrund tritt. Denn es spielt nicht die entscheidende Rolle. Es ist wie im Übrigen bei anderen so
genannten geschäftlichen Entscheidungen, etwa Investitionen. Die rationale Ebene ist  oft nur ein durch die emotionale und intuitive Ebene sehr getönter nebenher laufender oder gar nachträglicher Erklärungs- und Legitimationsversuch. Dies ist ähnlich wie in der Hirnforschung. Ein Gedanke ist nach dem Libet-Experiment eine geraume Zeit im Gehirn vorher messbar, bevor er ins Bewusstsein kommt. Für alle Vertreter der rationalen Entscheidungstheorie ein harter Tobak.

Also Unternehmen müssen als emotionaler Beziehungspartner interessant sein. Ein Beispiel ist die Frage: Möchte ich mich mit diesem Unternehmen in der Öffentlichkeit in einer Liaison zeigen? Oft sieht es genau anders aus. Mitarbeiter trauen sich im Bekanntenkreis nicht mit ihrem  Unternehmen in Verbindung gebracht zu werden, weil sie dann sofort auf Skandale oder Pannen angesprochen werden und vermeintlich dafür gerade stehen müssen. "Ich gehe da nur hin, weil ich muss und keine andere Wahl habe. Du weißt ja, Haus bezahlen, der Nachwuchs und der Urlaub." Diese Mitarbeiter reagieren ähnlich wie Kinder, deren Eltern deliquent, abhängigkeitskrank oder sonst wie nicht mehr lebenstüchtig werden und bei denen so ihre Fürsorge weg bricht. Wem dieser Vergleich zu drastisch ist, der sollte sich die Zahlen zur Identifikation von Mitarbeitern mit ihren Unternehmen heute einmal anschauen. So ergab eine Studie zum durchschnittlichen Engagement der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen: 
„Mitreißer“ (hoch engagiert): 17 %
„Mitmacher“ (engagiert):      47 %
„Zaungäste“ (gering engagiert): 28 %
„Schon weg“:   8 %
(Towers Perrin Studie 2007)

Also da ist einiges zu tun!
Unternehmen brauchen wieder emotionale Beziehungsangebote, die die Bedürfnisse der Menschen ansprechen. Die demographische Entwicklung, dass langsam die Partner auf der Mitarbeiterseite knapp werden, werden das beflügeln.

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    Günther Mohr,
    Diplom-Volkswirt/
    Diplom-Psychologe/
    Senior Coach,
    Info@mohr-coaching.de

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